HAUS 19 #7: KONZERTE

JUNI - JULI 2006

KONZERT 1
Freitag, den 16. Juni 2006, 20 Uhr
J.S. BACH, 6 Suiten für Solo-Violoncello BWV 1007-1012
Götz Teutsch (Berliner Philharmoniker)
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KONZERT 2
Gastprogramm Sonntag, den 18. Juni 2006, 20 Uhr
Brasilianische zeitgenössische Kompositionen für Schlagzeug-Solo von PAULO CHAGAS, LUIS CARLOS CSEKÖ, MARCOS MESQUITA, JOCY DE OLIVEIRA, MAURICIO RIBEIRO DE LIMA
Claudia Sgarbi, Schlagzeug



KONZERT 3
Donnerstag, den 29. Juni 2006, 20 Uhr
CHIYOKO SZLAVNIVS cilia tremble Uraufführung
Installation und Performance für Violine, Akkordeon und Elektronik für Tierstall/Haus 19
Anaïs Chen (Geige), Theodor Flindell (Geige), Volker Schindel (Akkordeon)
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KONZERTE 4 + 5
Donnerstag, den 6. Juli und
Freitag, den 7. Juli 2006, jeweils 21 Uhr
KLAUS LANG sais. Uraufführung
Für Flöte, Klavier und Schlagzeug. TRIO NEXUS Erik Drescher (Flöte), Tomas Bächli (Klavier), Claudia Sgarbi (Schlagzeug)
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KONZERT 6
Freitag, den 14. Juli 2006, 20 Uhr
HOWARD SKEMPTON Home and Abroad
Howard Skempton spielt eigene Kompositionen für Akkordeon.
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TICKETS (10 €, ermäßigt 8 €) 0177-3051-761 + 030-3435-9664 (AB) bzw. 7hours@bookcases.de

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Freitag, den 16. Juni 2006, 20 Uhr
J.S.BACH, 6 Suiten für Solo-Violoncello, BWV 1007-1012
Götz Teutsch (Berliner Philharmoniker)

Ich weiß sehr gut, dass die Dinge einander durchdringen. Aber ich denke, sie durchdringen einander mit sehr viel mehr Komplexität, wenn ich selbst keine Verbindung herstelle. Dann treffen sie sich und formen die Zahl 1. (…) Und da jedes es selbst ist, gibt es in der Zahl 1 eine Pluralität. (John Cage)

Zuletzt hörte ich Götz Teutsch die Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach spielen. Während seines Spiels stellte ich mir vor, dass er alle Suiten, hintereinanderweg gespielt auf dem Dachboden des Tierstalls spiele könnte. – Götz Teutsch hat zugesagt.

Götz Teutsch wurde in Herrmannstadt (Siebenbürgen-Rumänien) geboren und studierte Cello bei D. Dimicu und Radu Aldulescu in Bukarest. Nach seiner Ausreise aus Rumänien im Jahre 1968 weitere Studien bei Enrico Mainardi und Karl Richter. 20 Jahre Solocellist der Berliner Philharmoniker unter Herbert v. Karajan. Als Solist spielte er u.a. Cellokonzerte von Schönberg, Hindemith und Schostakowitsch. Kammermusikkonzerte in vielen Ländern Europas, in Japan, und den USA. In den letzten Jahren beschäftigte er sich intensiv mit alter Musik, studierte Viola da Gamba und Barockcello. Zusammenarbeit mit Konrad Junghänel und Gerhard Darmstadt. Götz Teutsch lebt in Berlin und Salzburg.

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Donnerstag, den 29. Juni 2006, 20 Uhr
CHIYOKO SZLAVNIVS cilia tremble Uraufführung
Installation und Performance für Violine, Akkordeon und Elektronik für Tierstall/Haus 19
Anaïs Chen (Geige); Theodor Flindell (Geige); Volker Schindel (Akkordeon)


Chiyoko Szlavnics: Cilia Tremble Martin A, 2006

Cilia: Plural von Cilium

cil•i•um:
1. ein mikroskopisch haarartiger Prozess, die Oberfläche einer Zelle oder eines unizellulären Organismus ausdehnend. Rhythmischer Bewegung fähig, agiert es unisono mit anderen solchen Strukturen, die Bewegung der Zelle oder des umgebenden Mediums verursachend.
2. Ein Wimpernschlag.
3. Botanik. Eins der Haare entlang einer Begrenzung oder einer Kante einer Struktur, wie zum Beispiel eines Blattes, üblicherweise einen Rand formend.
*
Ein Konzert kurzer Werke für 2 Violinen, Akkordeon und Sinustöne.

Das Konzert wird eine Serie von kürzeren Arbeiten von Chiyoko Szlavnics präsentieren, in deren Zentrum eine Serie “musikalischer Widmungen” an Künstler wie Eva Hesse, Agnes Martin und James Tenney (unter anderen) stehen.

Es werden auch andere Werke, die in jüngster Zeit entstanden und die speziell in dieser Kombination von Instrumenten für Haus 19 zusammengestellt worden sind, zur Aufführung gebracht werden.

Szlavnics' jüngste Arbeiten (seit 2004) entstehen aus Zeichnungen, die sie speziell für diesen Zweck herstellt. Die musikalischen Ziele bestehen darin, sehr zielgerichtet akustische Phänomene wie Schweben oder die Differenztöne zu präsentieren, die des Hörers Wahrnehmung von “Musik” und “Klang” durch extrem langsame Tempi und extrem langsame Glissandi verändern.

Das langsame Fortschreiten (zeitlich wie vertikal räumlich) der Musik kreiert eine gesteigerte Form von Bewusstheit „des Augenblicks“ – der Hörer wird sich plötzlich des „Klangdetails“ durch die ganze Zeit der Stücke hindurch bewusst. Die Rahmenarbeiten der originalen Zeichnungen geben jeder Komposition gesonderte Identität und gesonderten Charakter. Diese Musik ist zuerst und vor Allem „Kunst“.
*
"Cilia" sind empfindliche Haare der Basiliarmembranen, die auf Klangwellen-Frequenzen und akustische Informationen reagieren.
Es gibt einige 16,000 -20,000 dieser Haarzellen, verteilt entlang den Basiliarmembranen, die der Spirale der Cochlea (Ohrschnecke) folgen.
Der Platz entlang der Basiliarmebran, wo ein Maximum an Erregung dieser Haarzellen auftritt, determiniert die Wahrnehmung von Tonhöhe entsprechend der Raumtheorie. Die Wahrnehmung von Lautstärke ist auch mit diesem Organ verbunden.

Winzige relative Bewegungen der Schichten der Membranen sind in der Lage die Haarzellen-Aktivität auszulösen. Wie andere Nervenzellen ist ihre Antwort auf diese Stimulation, einen winzigen elektrischen Impuls, „Aktionspotential“ genannt, der zugeordneten Nervenfaser (Axon) zuzusenden. Dieser Impuls reist zur Verarbeitung durch die Hörgefilde des Gehirns.
(Chiyoko Szlavnics, Übersetzung aus dem Englischen)

Chiyoko Szlavnics *1967 in Toronto (Kanada) geboren. Dort studierte sie zunächst Flöte und Saxophon. Nach ihrem Studienabschluss 1989 war es vor allem die Zusammenarbeit mit den experimentell ausgerichteten Ensembles, dem Hemispheres Music Project und dem 40 fingers saxophone quartet, die sie prägte. Kompositionen von James Tenney, Christian Wolff, Elliott Sharp u.a. gehörten zu ihrem Repertoire. Während dieser Zeit begann sie selbst zu komponieren.
Von 1994 an nahm sie, bis zu ihrer Übersiedelung nach Deutschland, bei James Tenney privat Kompositionsunterricht. In Deutschland erhielt sie 1997 ein Stipendium der Akademie Schloss Solitude (Juror: Christian Wolff). Anschließend zog sie nach Berlin, und begann dort erneut mit verschiedenen Musikern und Ensembles zu kooperieren. Ihr kompositorischer Ansatz ist experimentell ausgerichtet und setzt einen besonderen Akzent auf die Auseinandersetzung mit Mikrotonalität und reiner Stimmung. Zusammen mit Peter Ablinger leitet sie zurzeit in Berlin das Ensemble Zwischentöne.

Ihre Werke wurden von diversen Ensembles sowohl in Nordamerika, als auch in Europa (Bsp.: Stuttgart, Darmstadt, Maerzmusik, Wandelweiser-Düsseldorf) aufgeführt bzw. aufgenommen.

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Donnerstag, den 6. Juli und Freitag, den 7. Juli 2006, jeweils 21 Uhr
KLAUS LANG sais. für Flöte, Klavier und Schlagzeug, Uraufführung
TRIO NEXUS Erik Drescher (Flöte), Tomas Bächli (Klavier), Claudia Sgarbi (Schlagzeug)

So, wie das Unaussprechliche im Regen enthalten ist, ohne daß der Regen es zeigen wollte, ist es vielleicht in Musik, die es nicht darstellen will. Komponieren vollzieht sich anders, als das Zusammenstellen einer Rezeptur für LSD. Es geht nicht um beschreibbare Wirkung, sondern um das "in der Musik sein". Musik führt nicht weg von sich selbst. Musik ist nur sie selbst, in dem Sinne, in welchem ein Berg ein Berg, eine Ebene eine Ebene, Mollusken Mollusken sind. Komponieren ist das Hinweisen auf den Klang in mir. (Klaus Lang, www.klang.mur.at)
Für seine Komposition sais. hat LANG den Eindrücken im alten Versuchstierstall literarisches Material beigeordnet, das die Frage des Wissenserwerbs durch Schuld stellt. Es handelt sich um Stoffe von Schiller (Das verschleierte Bild zu Sais) und Novalis (Die Lehrlinge zu Sais). LANG sieht den Tierstall als Bild des Zusammentreffens von Künstlichkeit und Natürlichkeit. Diese Materialien werden musikalisch strukturell bearbeitet.

Klaus Lang *1971 in Graz. Lebt als freischaffender Komponist und Organist in Berlin und Graz. | Studium von Komposition und Musiktheorie und Orgel an der Musikhochschule in Graz. Wichtige Lehrer: Hermann Markus Preßl, Beat Furrer, Younghi Pagh Paan.
Werke für verschiedenste Besetzungen. Aufträge verschiedener Festivals: steirischer herbst graz, wien modern, eclat stuttgart, maerzmusik berlin, osterklang innsbruck, tage zeitgemäßer musik bludenz, musikmonat basel, takefu festival (Japan), lucerne festival, wittener tage für neue kammermusik u.a.
Aufgeführt durch klangforum wien, arditti quartet, ensemble intercontemporain, ensemble die reihe, swr-chor, wdr-chor, studio percussion graz, teheran symphony orchestra u.a.
Musiktheaterarbeiten: stimme allein (Oper Bonn) | Königin ök (Oper Bonn) | Handschuh des immanuel (Hörtheater für den Aachener Dom) | Kirschblüten. ohr. (hebbeltheater berlin) | die perser. (Theater Aachen) | zwei etagen. keine treppe. (hebbel theater berlin) | fichten. (UA märz 2006, maerzmusik berlin 2006)
Konzerte als Organist mit alter, neuer und improvisierter Musik.
CDs: trauermusiken (amras quartet) | die überwinterung der mollusken (klangforum wien) | Lichtgeschwindigkeit (Duoimprovisationen mit Werner Dafeldecker) | sei jaku für streichquartet (arditti quartet)
Veröffentlichungen: Zahlreiche Artikel für Zeitschriften (positionen, kunstmusik), einen Artikel für das Grove Musiklexikon und eine umfangreiche Arbeit über historische Stimmungssysteme. ("Auf Wohlklangswellen durch der Töne Meer")

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Freitag, den 14. Juli 2006, 20 Uhr
HOWARD SKEMPTON spielt Home and Abroad
Akkordeon

I play my accordion pieces on the instrument for which they were written, a 12-bass Sorrento accordion which I bought in London in 1971 for £26. I needed a portable instrument for concerts with the Scratch Orchestra, and it was probably my interest in drones which drew me to the accordion. Very quickly, however, I discovered the paramount quality of such a light and easily manipulated instrument: its melodic potential. I shall always be grateful to my small accordion for confining me to the simplest musical materials (the 12 bass buttons provide the player with six bass notes and six major chords). It released an interest in writing tunes which I might otherwise have been inclined to hold in check. And, because the technical demands were relatively small, I was able to develop the use of the bellows. These factors have played a large part in determining the character of these modest but usually lively pieces. (Howard Skempton, 1997)

Howard Skempton *1947 in Chester (UK), Komponist, Akkordeonist und Verleger. Studierte seit 1967 in London mit Cornelius Cardew. Sein Werk umfasst über 300 Kompositionen, viele davon Miniaturen für Solo-Akkordeon, die Skempton als das „Zentralnervensystem“ seiner Arbeit bezeichnet.
Viele seiner Werke sind aufgenommen, darunter das sehr erfolgreiche Lento für Orchester auf NMC durch das BBC Symphony Orchestra, Well, well, Cornelius aufgeführt durch John Tilbury für SONY Classical label und jüngst Shiftwork durch Ensemble Bash. In jüngster Zeit konzentrierte Skempton sich in zunehmendem Maß auf Vokal- und Chormusik.
2000: He Wishes for the Cloths of Heaven Belfast Philharmonic Society, Waterfront Hall; Uraufführung von The Voice of the Spirits zum 750jährigen Jubiläum des Oxford University College im St John’s. The Bridge of Fire in einer Besetzung von James Elroy Flecker, Uraufführung durch die BBC Singers 2001 und Lamentations, Uraufführung durch Paul Hillier und Nigel North.
Kompositionen für OKEANOS (Gleams and Fragments), New Noise (Random Girl), Gitarist Tom Kerstens (Three Pieces) und Ensemble Bash (Slip-Stream). Deutsche Erstaufführung des Konzerts für Hurdy-Gurdy und Percussion und Argentinische Erstaufführung von Catch, 2003. Uraufführung That Music Always Round Me durch den University of Manchester Chorus und Symphony Orchestra.
2004 Wakeford Ensemble Tour mit 9 Stationen in UK mit dem Auftragswerk Eternity's Sunrise, Apollo Saxophone Quartet und das Goldberg Ensemble führen Ballade in ganz Nord-England auf, Ensemble Sentieri Selvaggi spielt die Italienische Erstaufführung von Gemini Dances in einem ausverkauften Scala-Konzert in Milano. 2004 Tendrils Uraufführung für Streichquartett, Huddersfield Festival of Contemporary Music, aufgeführt durch das Smith Quartet. Das Stück gewann 2005 den Preis „Beste Kammermusik-Komposition” der Royal Philharmonic Society.
2005 Uraufführung Ben Somewhen, Auftragswerk für BCMG, für Solo-Doppel-Bass und Ensemble. Angeregt durch Ben-Hartley-Zeichnungen mit ländlichen Szenen folgte eine „ländliche Tour” von Ben Somewhen. Chorales wurde auch durch das BBC Symphony Orchestra unter Jac Van Stehen aufgeführt.

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